Fernsehtipp: Am Montag,11.2.2013, sendet der NDR um 20:15 Uhr unter dem Titel "Gesundheitskarte: Kassen setzen Mitglieder unter Druck" einen Beitrag, der mit Unterstützung der Aktion "Stoppt-die-e-Card" gedreht wurde.
Artikel mit Tag termine
Sonntag, 10. Februar 2013
NDR 11.02.2013 um 20:15 Uhr: Gesundheitskarte: Kassen setzen Mitglieder unter Druck
Montag, 24. September 2012
Fernsehtipp: Wozu brauchen die Krankenkassen Fotos?
Das WDR-Fernsehen bringt heute um 21 Uhr in der Sendung "Markt" einen Bericht über die elektronische "Gesundheitskarte". An der Entstehung des Beitrages war der FoeBuD e.V. beteiligt.
Donnerstag, 14. Juni 2012
"Meine Krankenakte gehört mir!": Einladung zum Pressegespräch
Erster Prozess gegen neue Gesundheitskarte: "Meine Krankenakte gehört mir!" Rechtsanwalt erwartet "dutzende oder hunderte Verfahren"
Einladung zum Pressegespräch
Düsseldorf (ots) - Sven S. ist bei der Wuppertaler Bergischen Krankenkasse versichert. Er gehört zu den ersten Versicherten in Deutschland, die die neue "Elektronische Gesundheitskarte" (EGK) erhalten sollten. Er verlangt aber, weiterhin ohne diese Karte medizinische Leistungen von seiner Krankenkasse zu bekommen. Am Donnerstag, 28.06., 9:00 Uhr ist in seinem Prozess Verhandlung vor dem Sozialgericht Düsseldorf, Ludwig-Erhard-Allee 21, 40227 Düsseldorf, 1. Etage, Saal 139. Die Verhandlung ist öffentlich.
Sven S. will sein Verfahren zum Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe bringen. Das Verfassungsgericht soll die technische Vernetzung der Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken mit zentralen Servern stoppen, für die die Karte der Schlüssel sei. Der erste Schritt auf diesem Weg von Sven S. nach Karlsruhe ist diese Verhandlung in Düsseldorf.
Sein Anwalt Jan Kuhlmann ergänzt: "Bei mir stapeln sich Mails von Versicherten. In wenigen Monaten wird es dutzende oder hunderte ähnliche Verfahren geben." Bei den Krankenkassen ist die Ausgabe der neuen Chipkarte in vollem Gang. Nach gesetzlichen Vorgaben müssen bis Ende 2012 70 % aller Versicherten die Chipkarte erhalten.
Der Kläger Sven S. wird vom Bündnis "Stoppt die E-Card" unterstützt. Es besteht aus Bürgerrechtsorganisationen, Datenschützern, Patienten- und Ärzteverbänden. Das Bündnis hat soeben im Internet einen ausführlichen Ratgeber für kritische Bürger gegen die Karte veröffentlicht. Gegen die Vorratsdatenspeicherung hatten sich über 30.000 Menschen einer Verfassungsbeschwerde angeschlossen. Man erwartet Vergleichbares bei der Gesundheitskarte. Es weigern sich bereits hunderte Versicherte, das geforderte Foto für die Karte einzusenden. Sie stehen deswegen mit ihren Krankenkassen im Konflikt.
"Die Karte ist der Schlüssel zur geplanten elektronischen Gesundheitsakte. Diese elektronische Akte soll zum Ausverkauf der heutigen Krankenakten an Klinikkonzerne und Versicherungen dienen." So der Anwalt. "Die Karte ist ein Geschenk an IT-Industrie, Privatversicherungen und Klinikketten. Dass ausgerechnet die SPD da mitmacht, ist erstaunlich. Die wissen nicht, was sie tun."
Zum Prozess und zu den Aktionen gegen die Elektronische Gesundheitskarte lädt die Versichertenorganisation "Neuanfang e.V." Sie zu einem Pressegespräch ein:
Donnerstag 28.06., 13:00 Uhr
Hotel NH Düsseldorf City, Kölner Straße 186-188, 40227 Düsseldorf.
Bundesweit erstes Verfahren gegen elektronische Gesundheitskarte: mündliche Verhandlung am 28. Juni 2012
Bundesweit erstes Verfahren gegen elektronische Gesundheitskarte / Grauduszus: "Am 28. Juni beginnt die juristische Klärung."
Erkrath (ots) - "Das juristische Procedere ist nunmehr gesichert", begrüßt Martin Grauduszus, Präsident der 'Freien Ärzteschaft' (FÄ) die Tatsache, dass im bundesweit ersten Verfahren gegen die elektronische Gesundheitskarte das damit befasste Sozialgericht Düsseldorf nunmehr den Termin für die mündliche Verhandlung auf den 28. Juni 2012, 9.00 Uhr, festgesetzt hat.
Damit behalte der Kläger, ein Versicherter bei der in Solingen ansässigen 'Bergischen Krankenkasse' alle Möglichkeiten, seine Klage über zwei Instanzen bis zum Bundesverfassungsgericht zu bringen: "Deshalb muss das Verfahren der ersten Instanz Mitte 2012 abgeschlossen werden, da nach Gesetzeslage die Krankenkassen gezwungen sind, bis Ende 2012 siebzig Prozent der Versicherten mit der neuen Gesundheitskarte auszustatten." Der Kläger sieht durch die elektronische Gesundheitskarte seinen Datenschutz gefährdet: er fürchtet, dass sie Teil einer neuen Informationsstruktur im Gesundheitswesen ist und seine Gesundheitsdaten in diesem System gespeichert und übertragen werden.
Der Anwalt des Klägers, Jan Kuhlmann, erklärt, nach dem Gesetz sollten die Patienten "bei erster Verwendung der Karte" ihre Einwilligung oder ihren Widerspruch zur Benutzung der freiwilligen Anwendungen der neuen Karte dokumentieren - wie Einwilligung oder Widerspruch u. a. zu Notfalldaten, elektronischem Arztbrief oder zur elektronischen Gesundheitsakte. Derzeit sei es weder vorgesehen noch überhaupt technisch möglich, diese Erklärungen der Versicherten bei der ersten Verwendung der Karte abzufragen und zu dokumentieren.
Die freiwilligen Anwendungen seien derzeit nicht vorgesehen, sollen aber später eingeführt werden. "Die Einwilligung der Versicherten muss nach dem Gesetz jetzt, beim so genannten 'Rollout' der neuen Karte, vorgenommen werden und nicht erst zum Zeitpunkt der Einführung dieser freiwilligen Anwendungen der Karte, das aber geschehe nicht: "Auch insofern muss wegen dieses Rollout-Skandals die Karte gestoppt werden", sagt Kuhlmann.
Vor diesem Hintergrund appelliert FÄ-Präsident Grauduszus an Kolleginnen und Kollegen, "nach Möglichkeit an dieser öffentlichen Verhandlung gegen die von uns Ärztinnen und Ärzten nicht gewollte elektronische Gesundheitskarte zahlreich teilzunehmen."
Mittwoch, 18. April 2012
Wir dürfen nicht zu Handlangern der Kassen werden
Informatiker zur e-Card: „Daten sind völlig unsicher“ – eGK-Gegner diskutieren in Berlin
Milliardenkosten, minimaler Nutzen: Wohl kaum ein gesundheitspolitisches Projekt ist so umstritten wie die elektronische Gesundheitskarte (eGK). Nicht nur Ärzte wehren sich gegen das Projekt e-Card, Kritik kommt auch von Patientenvertretern und Datenschützern. Auf Einladung der Initiative „Stoppt die e-Card“ trafen sich am Mittwoch eGK-Gegner zu einer Tagung in Berlin, um über die Risiken und Nebenwirkungen der elektronischen Gesundheitskarte zu diskutieren.
Im Mittelpunkt stand dabei vor allem die Frage nach der Datensicherheit – nicht zuletzt aufgrund des geplanten Online-Versichertenstammdaten-Abgleichs. Sensible Patientendaten sollen hierfür künftig auf zentralen Servern gespeichert werden, sodass alle Arztpraxen und Kliniken Zugang haben.
Referent Prof. Hartmut Pohl, Sprecher des Präsidiumsarbeitskreises „Datenschutz und IT-Sicherheit“ der Gesellschaft für Informatik (GI) formulierte hierzu kurz und knapp: „Die Daten sind völlig unsicher.“ Es gehe nicht um die e-Card als Identifikationsinstrument der Patienten beim Arztbesuch. Entscheidend sei die geplante Speicherung der Gesundheitsdaten von rund 70 Millionen gesetzlich Versicherten auf Internetservern. „Das birgt Risiken“, erklärte Pohl. So gebe es zum Beispiel trotz Verschlüsselung und Pseudonymisierung keine sichere Speicherung von Daten im Internet. Auch eine dezentrale Datenspeicherung sei nicht möglich. „Theoretisch kann jedermann von überall auf der Welt auf die Server zugreifen.“ Weiter wies der Informatiker auf das Risiko hin, dass die Patientendaten, sobald sie universal zugänglich abgespeichert seien, verknüpft werden könnten mit anderen Daten, zum Beispiel Bankdaten.
Sodann legte Pohl auch einen Lösungsvorschlag vor. Zunächst müsse der Patient frei wählen können, ob er seine Gesundheitsdaten im Internet ablegen oder diese selbst speichern wolle, und zwar auf einem portablen Datenträger. „Der Patient sollte seine Daten selbst verwalten können“, forderte der Referent.
Über seine Erfahrungen mit der e-Card in Österreich und allgemein über die dortige Digitalisierung des Gesundheitswesens berichtete der Präsident des österreichischen Hausärzteverbandes, Dr. Christian Euler. Er stellte fest: „e-Health ist ein Wirtschaftszweig, durch den sich die Investoren mehr erhoffen dürfen als die Patienten.“ Der Referent nannte das System der eGK eine „als Fortschritt getarnte Entsolidarisierung und Diskriminierung“. Ärzte in Österreich würden durch die e-Card bevormundet. So könnten sie einen Patienten zum Beispiel nicht mehr selbstständig krankschreiben, sondern müssten auf elektronischem Weg erst auf eine Bewilligung der jeweiligen Krankenkasse warten. „Mit den elektronischen Anwendungen zwingen uns die Kassen, ihre Verbündeten zu werden und locken uns weg vom Patienten“, sagte Euler. Insgesamt sei e-Health für die österreichischen Ärzte eine Verlustrechnung.
Die Risiken der eGK aus Sicht der Versicherten erläuterte Patientenvertreterin Gabi Thiess aus Hamburg. Auch sie warnte davor, sensible Krankheitsdaten zentral zu speichern. „Ich kann zwar den Arzt wechseln, aber die Daten bleiben immer erhalten, wenn sie einmal abgespeichert sind.“ Dies könne etwa zu falschen Diagnosestellungen oder unterlassenen Untersuchungen führen, wenn die Ärzte sich nur an den schon erfassten Daten orientieren würden, erklärte Thiess. „Ich jedenfalls werde die Karte nicht benutzen und das notfalls vor Gericht durchsetzen.“
Für die Medizinischen Fachangestellten (MFA) sprach Hannelore König vom Verband der MFA. Ihre Berufsgruppe stehe der eGK mit großer Skepsis gegenüber. „Wir stellen uns gerne den modernen technischen Herausforderungen, fordern aber auch, dass der Datenschutz gewahrt wird.“ Vor allem aber würden die Medizinischen Fachangestellten erwarten, „dass wir gehört werden und unser Wissen und unsere Erfahrungen einbringen können, denn schließlich sind wir diejenigen, die mit der Karte umgehen müssen“.
Als eine „elektronische Entblößungskarte“ bezeichnete Prof. Paul Unschuld von der Charité Berlin die eGK. „Sie ist wie ein Nacktscanner für den gesamten menschlichen Organismus.“ Für bestimmte Interessengruppen, etwa die Industrie, die Politik und die Kassen, erfülle die e-Card eine praktische Funktion. Der Medizinhistoriker zitierte aus seinem Buch „Ware Gesundheit“. Darin schreibt er, dass zentral gespeicherte und verwaltete Patientendaten einen ökonomischen und politischen Zweck erfüllen würden. „Die ökonomischen Nutznießer können diese Daten auswerten, um das pharmazeutische Marketing zu optimieren; die politischen Nutznießer erhalten mit diesen Daten ein bislang nicht gekanntes Machtmittel, das die Steuerung der Gesellschaft über die Schwächen eines jeden einzelnen Menschen erlaubt.“ Die eGK sei ein kleiner Aspekt für bestimmte Gesellschaftsgruppen, um das bisherige Gefüge von Arzt und Patient in neue Strukturen zu drängen und mehr Kontrolle auszuüben.
„Von uns Ärzten ist jetzt ziviler Ungehorsam gegen das Projekt e-Card gefragt, wir dürfen uns nicht kaufen lassen“, appellierte Dr. Silke Lüder, Sprecherin der Aktion „Stoppt die e-Card“, abschließend an die Kollegen im Plenum. „Wir dürfen nicht zu Handlangern der Kassen werden.“
Mit freundlicher Genehmigung von Facharzt.de.
Weitere Meldungen:
Bericht im Deutschen Ärzteblatt
Ausführlicher Bericht beim Schattenblick
KBV: Ärzte nicht zum Abgleich von Versichertendaten der eGK verpflichten
Grußwort von Dr. Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin
Das System e-Card - Wolfgang Linder kritisiert mangelnden Datenschutz
Beschluss der KBV: Ablehnung der Implementierung eines Online-Versichertenstammdatenmanagements (pdf)
Sonntag, 25. März 2012
18.4.2012 in Berlin: Medizinqualität statt e-Card Bürokratie - zu Risiken und Nebenwirkungen der „Elektronischen Gesundheitskarte“
Bundesweit werden im Augenblick Krankenversicherte von ihren Kassen aufgefordert, unverzüglich ein Foto einzureichen, welches künftig ihre Versichertenkarte zieren soll. Suggeriert werden besserer „Missbrauchsschutz“, „bessere Behandlung“, „größere Datensicherheit“. Was ist dran an diesen Versprechungen? Warum bleiben privat Versicherte, und damit mehr als die Hälfte der Bundestagsabgeordneten, von dieser Aufforderung verschont? Warum werden „Chipkartenverweigerer“ unter den Bürgern bedroht mit dem Argument, „wenn Sie ihr Foto nicht abgeben, müssen Sie künftig Ihre Behandlungen privat zahlen“? Warum wird Druck ausgeübt für ein Projekt, welches 6 Jahre nach der geplanten Einführung immer noch nicht funktioniert aber jetzt schon Milliarden verschlungen hat? Warum werden Arzt-, Zahnarzt und Psychotherapiepraxen künftig mittels e-Card dazu gezwungen, noch mehr Verwaltungsarbeit der Krankenkassen zu übernehmen? Was passiert mit unseren Krankheitsdaten, wenn sich alle Arztpraxen und Kliniken mit ihren sensiblen Daten an ein gigantisches Kassenserverdatennetz anschließen müssen? Diese und andere Fragen werden kritisch diskutiert.
Wann? Mittwoch, 18.4.2012 in Berlin 14-17 Uhr
Wo? Katholische Akademie, Hotel Aquino Hannoversche Straße 5b, 10115 Berlin Mitte
Referenten:
Dr. Silke Lüder, Einführung in den aktuellen Projektstand
Gabi Thiess, Patientenvertreterin, die e-Card aus der Sicht der Krankenversicherten
Hannelore König, Verband der medizinischen Fachberufe (VMF) zum geplanten Stammdatenmanagement in den Arztpraxen
Dr. Christian Euler, Präsident des Hausärzteverbandes Österreich, über „eHealth-Täuschung und Enttäuschung“ Bericht aus unserem Nachbarland
Prof. Paul Unschuld, Charité Berlin, Autor des Buches „Ware Gesundheit“
Prof. Hartmut Pohl, Sprecher des Präsidiumsarbeitskreises „Datenschutz und IT Sicherheit“ der Gesellschaft für Informatik (GI) zum Thema Informationssicherheit
Wolfgang Linder, ehem. Datenschutzreferent der Stadt Bremen, Komitee für Grundrechte und Demokratie
Moderation: Jan Scholz, Chefredakteur, Ärztlicher Nachrichtendienst ÄND
Dr. med. Silke Lüder und Dr. med. Manfred Lotze, Hamburg
www.stoppt-die-e-card.de info@stoppt-die-e-card.de www.hippokranet.de
Aktion “ Stoppt-die-e-Card”, NAV Virchowbund, Freie Ärzteschaft e.V., IPPNW, MEDI Berlin in Kooperation mit dem Ärztlichen Nachrichtendienst ÄND
V.i.S.d.P.: Dr. Silke Lüder, Grachtenplatz 7, 21035 Hamburg Fax 040-7353036
Mittwoch, 22. Februar 2012
"Medizinqualität statt e-Card": Veranstaltung in Berlin soll Signal setzen
Die Kritik von Ärzten, Patienten und Datenschützern hat die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte lange verzögert – zum Stillstand kam das Projekt dadurch jedoch nicht. Im Gegenteil machen die Kassen nun Druck: Sie wollen in diesem Jahr alle Praxen online vernetzen und ihre Versicherten mit Karten versorgen. Wie sollte die gemeinsame Antwort von Ärzten und Patienten auf dieses Vorhaben aussehen? Diese Frage steht im Mittelpunkt einer Veranstaltung am 18. April in Berlin.
Die bundesweite Aktion „Stoppt die e-Card“, bestehend aus 53 Organisationen und Verbänden, lädt an diesem Tag Ärzte, Patienten und Datenspezialisten in die Hauptstadt, um den Stand der Dinge zu diskutieren.
Der änd sprach mit der Initiatorin Dr. Silke Lüder aus Hamburg:
Frau Dr. Lüder, über die elektronische Gesundheitskarte ist schon viel debattiert worden – weshalb ist jetzt noch eine neue Diskussionsveranstaltung in Berlin nötig?
Das ganze Projekt elektronische Gesundheitskarte ist im Grunde schon gescheitert, bevor es losgeht. Seit sechs Jahren funktioniert hier nichts, die aufwändigen bundesweiten Tests haben nur schlechte Ergebnisse erbracht. Bis 2009 wurden schon 1,5 Milliarden Euro verbrannt. Alle Ärztetage haben das Projekt abgelehnt. Patientenverbände, unabhängige Datenschutzorganisationen, immer mehr Journalisten und auch Gesundheitsökonomen wie Prof. Wasem haben das Mammut-Projekt kritisiert. Trotzdem wird es immer weiter voran getrieben. Lobbyinteressen der Industrie, Machtinteressen der Krankenkassen und Appeasement der Spitzen von Bundesärztekammer und KBV verhindern, dass man zugibt, einer Fata Morgana hinterher zu laufen.
Deshalb treffen wir uns in Berlin, um zu zeigen: Ärzte und Zahnärzte machen da nicht mit. Wir lassen uns nicht in Außenstellen der Kassen verwandeln und wir werden uns der Transformation des Gesundheitswesens in eine online-überwachte industrielle Massenabfertigung widersetzen.
Die Krankenkassen drücken bei dem Projekt derzeit offenbar aufs Gas. Welche Folgen für Ärzten und Patienten befürchten Sie durch die „Alternative 2012“?
Der Kernpunkt der von den Krankenkassen in der Gematik erzwungenen „vorgezogenen Lösung“ oder auch „Alternative 2012“ ist ja die zwangsweise Anbindung aller Praxen an die Computer der Kassen. Hiermit soll der Widerstand der Ärzte gegen die zentrale Internetstruktur gebrochen werden, mit der die Kassen ganz klar im weiteren Verlauf auch eine zentrale elektronische Patientenakte von jedermann erstellen wollen.
Damit sollen wir erst einmal die Verwaltungsarbeit der Kassen übernehmen. Jede neue e-Card muss einmal im Quartal online aktualisiert werden. Das ist natürlich die ureigenste Verwaltungsarbeit der Kassen selbst, die sie auf diesem Wege in die Arztpraxen verlagern wollen. Für einen lächerlichen Anteil von 2,3 Prozent der Fälle, in denen sich die Stammdaten der Versicherten im Quartal geändert haben, sollen wir in 97,7 Prozent der Fälle aufwändig die online-Aktualisierung der Daten auf dem Kartenchip in der Praxis vornehmen. Absurdistan lässt grüßen. In Wirklichkeit ist den Kassen aber die zwangsweise Anbindung aller Praxen an die Kassenserver wichtig.
An wen richtet sich die Veranstaltung in Berlin und wer steht auf der Referentenliste?
Die Veranstaltung richtet sich an alle Ärzte und Zahnärzte, Psychotherapeuten und vor allem Vertreter von Verbänden, Kolleginnen und Kollegen die in KV- und Ärztekammergremien mitarbeiten. Außerdem an alle interessierten Bürger, Patientenvertreter und Journalisten.
Wir haben ausgezeichnete Referenten auf dem Podium. Wir bekommen einen Bericht aus Österreich vom Präsidenten des Hausärzteverbandes, Dr. Christian Euler über die praktischen Erfahrungen mit der e-Card in unserem Nachbarland. Professor Paul Unschuld von der Charite Berlin und Autor des Buches „Ware Gesundheit“ wird über die Risiken und Nebenwirkungen der „Elektronischen Selbstentblößungskarte“ sprechen. Ebenfalls ist Professor Hartmut Pohl als Sprecher des Präsidiumsarbeitskreises Datensicherheit der Gesellschaft für Informatik (GI) vor Ort und berichtet zum Thema Informationssicherheit. Auch in Berlin: Wolfgang Linder, Jurist und ehemaliger Datenschutzreferent der Stadt Bremen. Er spricht zur Entwicklungsgeschichte des e-Card Projektes als Vertreter des „ Komitees für Grundrechte und Demokratie“. Darüber hinaus wird es eine aktuelle Einführung in den Projektstand geben und die Patientenvertreterin Gabi Thiess wird über die e-Card aus Patientensicht sprechen.
Haben Sie auch Vertreter ärztliche Berufsverbände und Körperschaften eingeladen? Wie ist die Resonanz bislang?
Die Resonanz ist bisher ausgezeichnet. Zugesagt haben schon die Freie Ärzteschaft, der Freie Verband Deutscher Zahnärzte, der BDI, der NAV-Virchow-Bund, IPPNW, MEDI Deutschland, MEDI Berlin, der Bayrische Facharztverband, die DOXS aus Hessen, Facharztverbände, Hausärzte aus Bayern, Genossenschaften, Patientenverbände und auch Vertreter aus den KV- Vorständen und Kammern haben Interesse gezeigt.
Sicher wird der Termin auch einige Journalisten in der Hauptstadt anlocken. Welches Signal an die Öffentlichkeit sollte von der Veranstaltung ausgehen?
Das Projekt elektronische Gesundheitskarte ist eine gescheiterte Zwangsveranstaltung, die an den sinnvollen Interessen von Patienten und Ärzten komplett vorbei geht. Ich kenne keinen einzigen ärztlichen Kollegen, der es noch unterstützt. Auch die ehemaligen „Testärzte“ sind inzwischen völlig demotiviert. Es wird also nur noch durch die Lobbyinteressen von Industrie, Kassen und „ Telematikdezernaten“ aufrecht erhalten, die damit ihre Arbeitsplätze erhalten. Hier sollten Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten einmal ihre Fähigkeit zum zivilen Ungehorsam beweisen. Das sollte das Signal sein, dass wir, die wir immer so „brav“ sind, jetzt in einer konzertierten Fach- und verbandübergreifenden Aktion sagen: „Nein, wir machen nicht mit“. Wir schützen unsere Patientendaten. Es gibt ja diesbezüglich schon eine Menge an Ablehnungsbeschlüssen auf Landes- und Bundesebene. Wir müssen aber dafür sorgen, dass unsere „Spitzen“ sich künftig in dieser Frage an demokratische Entscheidungen der Ärztebasis halten.
Müssen sich interessierte Ärzte und Patienten für den 18. April anmelden?
Eine Anmeldung ist nicht nötig, wäre aber schön, damit wir besser planen können. Einfach eine Mail an info@stoppt-die-e-card.de oder per Fax an 040/7353036. Die Veranstaltung beginnt um 14 Uhr in der Katholische Akademie Berlin – Hotel Aquino Hannoversche Straße 5b. Wir freuen uns über jeden Interessenten.
Einen Info-Zettel der Aktion "Stoppt die e-Card" finden Sie hier als Download.
Mit freundlicher Genehmigung der änd Ärztenachrichtendienst Verlagsgesellschaft mbH
Sonntag, 29. Januar 2012
Die elektronische Gesundheitskarte – ein fauler Kartentrick?
"Aus der Krankenversichertenkarte wird die elektronische Gesundheitskarte. Neu ist nicht nur das aufgedruckte Lichtbild, sondern vor allem der Mikroprozessor- Chip, der aus der Karte den Schlüssel zu einem modernen Gesundheitssystem machen soll. Doch wie funktioniert das in der Praxis? Und wie sicher sind unsere intimen Daten? Wir haben nachgefragt - bei einer Passauer Arztpraxis, einem Vertreter einer Datenschutzorganisation und dem Präsidenten des Österreichischen Hausärzteverbandes."
Die Politiksendung "Nachgefragt" ist zu hören auf der Internetseite: www.campuscrew-passau.de, am Sonntag, 29. Januar 2012, ab 19 Uhr.
Wer interessiert ist an der Arbeit des FoeBuD, und insbesondere weitere Informationen hören möchte zum Thema "eGK", darf gerne mal reinhören!
Dienstag, 27. Dezember 2011
Hörtipp: Der gespeicherte Patient (1.1.2012)
Das Radio-Feature auf WDR 5 präsentiert in der Sendung am 01.01.2012, 11:05 bis 12:00 Uhr (Wiederholung: Montag, 2. Januar 2012, 20.05 Uhr), wie die elektronische Gesundheitskarte die Medizin ökonomisiert. Das Feature steht nach der Ausstrahlung befristet zum kostenfreien Download unter o.a. Link bereit.
Freitag, 9. April 2010
Der verwaltete Patient
SR-online: SR 2 KulturRadio / Sendungen A-Z / FeatureZeit
Der verwaltete Patient
Was wird aus der elektronischen Gesundheitskarte?
Alle Versicherungsdaten, Diagnosen, Befunde, Rezepte, für den Arzt stets verfügbar – das war die Grundidee für die elektronische Gesundheitskarte. Im Herbst 2009 begann mit fast vierjähriger Verspätung in der Region Nordrhein die Einführung. Das Projekt soll bundesweit Arztpraxen, Krankenhäuser, Apotheken und 80 Millionen Bürger miteinander vernetzen. Gleichzeitig dient die Karte als Schlüssel zu einer Telematik, über die medizinische Daten - beispielsweise Patientenakten - auf Servern im Internet gespeichert werden sollen.
Widerspruch kommt aus der Ärzteschaft und von Bürgerrechtlern. Datenmissbrauch sei kaum zu verhindern, die ärztliche Schweigepflicht bedroht und der medizinische Nutzen für die Patienten zweifelhaft. Die neue Bundesregierung hat auf den Protest reagiert und die Speicherung medizinischer Daten im Internet erst einmal ausgesetzt. Ob dieser Schritt tatsächlich zu einer Neukonzeption des gesamten Projekts führen wird, ist zweifelhaft.
Von Eva Hillebrand (SR 2010)
Samstag, 10.04.2010
09.05 - 10.00 Uhr
SR 2 KulturRadio



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